Die Atmung

Veröffentlicht am 27. Januar 2026 um 12:21

Die Atmung

Die Atmung – Grundlage des Lebens, der Bewegung und der inneren Ruhe

Ich begegne der Atmung in meiner Arbeit immer wieder als etwas, das selbstverständlich erscheint – und doch oft unterschätzt wird. Atmung begleitet uns vom ersten bis zum letzten Atemzug. Sie hält uns am Leben, versorgt jede Zelle mit Sauerstoff, unterstützt Bewegung, Kraft und Stabilität und wirkt direkt auf unser inneres Gleichgewicht.

Gerade im Alltag, bei Stress, Schmerzen oder nach Erkrankungen lohnt es sich, die Atmung wieder bewusst wahrzunehmen. Wer versteht, wie Atmung funktioniert, kann sie gezielt für Gesundheit, Ruhe und Lebensqualität nutzen.


Warum wir atmen – Funktionen der Atmung

Die wichtigste Aufgabe der Atmung ist die Lebenserhaltung. Über die Atemluft nehme ich Sauerstoff auf, der über das Blut zu allen Organen transportiert wird. Gleichzeitig wird Kohlendioxid – ein Abfallprodukt des Stoffwechsels – über die Lunge wieder abgeatmet.

Darüber hinaus erfüllt die Atmung weitere zentrale Funktionen:

  • sie ermöglicht Sprechen und Stimme,

  • sie unterstützt kraftvolle Bewegungen und Rumpfstabilität,

  • sie wirkt regulierend auf Herzfrequenz, Nervensystem und Stressniveau.

Damit ist die Atmung ein Bindeglied zwischen Körper, Bewegung und innerer Ruhe.


Welche Organe an der Atmung beteiligt sind

Die Atemwege – der Weg der Luft

Die Atmung beginnt bei mir mit dem Einatmen durch die Nase. Nasenhaare filtern grobe Schmutzpartikel, die Nasenschleimhäute erwärmen und befeuchten die Luft.

Ein besonders kluges System sind die Nasenmuscheln: Eine Seite ist jeweils stärker durchblutet und geschwollen, die andere weiter geöffnet. So wird die Luft abwechselnd intensiv aufbereitet und gleichzeitig ausreichend durchgelassen. Deshalb fühlt sich beim bewussten Atmen oft ein Nasenloch freier an als das andere – völlig normal.

Von dort strömt die Luft weiter durch:

  • den Mundrachen,

  • den Kehlkopf mit den Stimmlippen,

  • die Luftröhre, die durch Knorpelspangen offen gehalten wird,

  • die Hauptbronchien und ihre immer feineren Verzweigungen.


Die Lunge – Ort des Gasaustauschs

Am Ende dieses Weges erreicht die Luft die Lungenbläschen (Alveolen). Hier findet der lebenswichtige Gasaustausch statt:

  • Sauerstoff geht aus der Atemluft ins Blut,

  • Kohlendioxid geht aus dem Blut in die Ausatemluft.

So wird der gesamte Körper kontinuierlich mit Sauerstoff versorgt.


Das Zwerchfell – das Kraftwerk der Atmung

Der wichtigste Atemmuskel ist das Zwerchfell. Es spannt sich kuppelartig unterhalb des Brustkorbs und trennt Brust- und Bauchraum.

Einatmung

Bei der Einatmung zieht sich das Zwerchfell nach unten. Der Brustraum vergrößert sich, es entsteht Unterdruck und Luft wird eingesogen. Dabei werden die inneren Organe leicht nach unten und nach vorne verdrängt – die Bauchdecke wölbt sich passiv.

Wichtig: Das absichtliche Herausdrücken des Bauches ist keine effektive Atemtechnik und sollte vermieden werden.

Ausatmung

Bei der Ausatmung entspannt sich das Zwerchfell und gleitet wieder nach oben. Die Lunge verkleinert sich, Luft strömt überwiegend passiv aus.


Die Zwischenrippenmuskulatur

Zusätzlich arbeiten die Muskeln zwischen den Rippen:

  • Äußere Zwischenrippenmuskeln heben die Rippen und erweitern den Brustkorb bei der Einatmung.

  • Innere Zwischenrippenmuskeln unterstützen eine verstärkte Ausatmung, zum Beispiel bei körperlicher Anstrengung.

Dieses Zusammenspiel sorgt für eine flexible, belastbare Atmung.


Atemvolumen – mehr Reserven als gedacht

In Ruhe nutze ich – wie jeder Mensch – nur einen Teil meiner Lungenkapazität. Es stehen jederzeit Reserven zur Verfügung. Sie ermöglichen tiefere Atemzüge, bewusstes Ausatmen und Anpassung an Belastung.

Genau hier setzt Atemtraining an.


Atmung, Stimme und Spannung

Beim Sprechen strömt die Ausatemluft durch den Kehlkopf und versetzt die Stimmlippen in Schwingung. Erst im Mundraum formen Zunge, Lippen und Gaumen daraus Sprache.

Auch bei kraftvollen Bewegungen, beim Heben oder Stabilisieren des Rumpfes spielt die Atmung eine zentrale Rolle.


Atemübungen für Alltag, Ruhe und Bewegung

1. Ruhige Nasenatmung (Grundübung)

  • Aufrecht sitzen oder stehen

  • Durch die Nase einatmen (4 Sekunden)

  • Kurz innehalten

  • Langsam durch die Nase ausatmen (6 Sekunden)

  • 2–3 Minuten

➡️ Wirkt beruhigend, senkt Stress und Puls.


2. Verlängerte Ausatmung

  • Locker einatmen

  • Ausatmung bewusst verlängern (z. B. doppelt so lang wie die Einatmung)

  • Schultern und Kiefer locker lassen

➡️ Ideal bei innerer Unruhe, Nervosität oder nach Belastung.


3. Atem und Bewegung verbinden

  • Beim Einatmen Arme langsam heben

  • Beim Ausatmen Arme wieder senken

  • Bewegung fließend und ohne Kraft

➡️ Unterstützt Koordination, Mobilität und Atemtiefe.


Fazit

Atmung ist weit mehr als Luft holen. Sie ist Versorgung, Bewegung, Ausdruck und Regulation zugleich. Ich erlebe täglich, wie positiv sich eine bewusste Atmung auf Körper und Geist auswirkt – besonders im höheren Alter oder nach gesundheitlichen Herausforderungen.

Wer lernt, seinen Atem wieder wahrzunehmen und sinnvoll einzusetzen, schafft eine stabile Grundlage für Gesundheit, Beweglichkeit und innere Ruhe.

Wenn du deine Atmung verbessern oder gezielt trainieren möchtest, begleite ich dich gern dabei – ruhig, achtsam und angepasst an deine Möglichkeiten.